Ästhetik oder die Ästhetik des Balletts in architektonisch ästhetisch klaren Räumen
Intention des Entwurfes für die Ballettschule ist der tanzende Mensch. Der Raum, das Material sowie die Farbigkeit leiten sich aus dieser Grundannahme ab.

Beim Tanzen entsteht Raum durch die Bewegung des Körpers. Der gebaute Raum tritt dahinter zurück um eine größtmögliche Konzentration beim Tanzenden zu halten. Unterstützende bauliche Elemente sind der Boden als Abstoß- und Rückkehrplattform für Bewegungen, sind Beleuchtung und Akustik als unterstützende Akteure für Sichtbarwerden und Rhythmik.
Die Räume der Ballettschule werden thematisch geteilt in die beiden Säle als Kernbereiche des Tanzens einerseits und die dienenden Räume, wie Foyer und Garderoben andererseits, deren Hauptaufgabe es ist, auf das Tanzen ohne Ablenkungen hinzuführen.

Um ihre Neutralität gegenüber den Tanzenden zu wahren sind die beiden Tanzstudios komplett in Weiß gehalten. Dort sind Licht und Akustik herausgearbeitet. Die Beleuchtung ist deutlich und direkt. Hier „spielt die Musik“. Der weiße Raum einschließlich des weißen Bodens hebt dazu die Farbigkeit das Tanzenden hervor. Dies geht soweit, dass die Tänzerinnen und Tänzer scheinbar zu schweben beginnen.
Dem gegenüber stehen die dienenden Räume. Hier ist der Boden als kraftgebendes Element baulich und gestalterisch herausgearbeitet. Am Boden beginnen die Sprünge und dort enden Sie. Dabei ist es unerheblich, ob diese Abstoßfläche unten oder an der Wand ist. Somit ist der Boden farblich kräftig ausgeführt und an den Wänden hochgezogen. Helligkeit und Akustik in diesen Bereichen sind reduziert. Licht und Schallverhalten werden lediglich indirekt eingesetzt. Dies geht soweit, dass durch Schallabsorber zwischen Foyer und Büro ein akustisch beinahe inaktiver Raum gebaut wird.

Es entstehen zwei Schwellen. Die eine zeigt sich beim Betreten der Schule. Licht und Akustik nehmen sich über das gerade auf der Straße, in der Stadt erlebte Maß zurück und machen das Ankommen sichtbar-unsichtbar und hörbar-unhörbar. Die weite lichtakustische Schwelle liegt zwischen Foyer und Studios, wodurch das hohe Konzentrationspotential der Tanzräume verstärkt wird. Diese Spannungszunahme ist auch an der Höhenentwicklung der Räume ablesbar.

Das Farbkonzept der Ballettschule zieht sich von der bauliche Ausformung bis in die visuelle Außenwirkung der Ballettschule. Die drei Farben - weiß, rosé und Sepia - werden sparsam aber konsequent verwendet. Die Farbigkeit resultiert überwiegend aus den verwendeten Materialien. Auf eine Kontratierung von „edleren“ zu „unedleren“ Materialien wurde zugunsten einer ruhigen Raumfolge bewusst verzichtet. Teilweise oder sogar größtenteils sind Materialien verwendet, die im gesamten Haus vorkommen und die Ballettschule in die Gesamtidee des Künstlerhauses integrieren. Teilweise sind spezifische Materialien und Konstruktionen angewendet, um das Spezielle des Ballettanzes innerhalb der vorhandenen musischen Angebote im Haus zu betonen.
Fertigstellung Sept. 2005
Bauherr Roman Linke
AL 1 Graf,Heiß,Rott, Architekten
Fotos © by Michael Heinrich, Fotograf

